Pressemitteilung

Testphase im All erfolgreich gemeistert: „Umweltbeobachter“ EnMAP überzeugt mit Datensätzen von höchster Qualität

Wissenschaftlicher Routinebetrieb des ersten deutschen Hyperspektralsatelliten gestartet - Hohe Kompetenz von OHB in der Entwicklung komplexer, optischer Instrumente bestätigt

Hat seinen wissenschaftlichen Routinebetrieb aufgenommen: der Hyperspektral-Satellit EnMAP des DLR hier in einer künstlerischen Darstellung. © OHB

Oberpfaffenhofen / Bremen, 2. November 2022. Das Hyperspektral-Instrument ist ausgetestet und kalibriert, Satellitenbus und Instrument des Umweltsatelliten EnMAP der Deutschen Raumfahrtagentur im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) vollständig in Betrieb genommen: Der von der OHB System AG, ein Tochterunternehmen des Raumfahrtkonzerns OHB SE, entwickelte und gebaute Hyperspektralsatellit EnMAP geht nach intensiven Tests im All in seinen wissenschaftlichen Routinebetrieb. Ab Anfang November ermöglicht das DLR, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus aller Welt ihre Anträge für Beobachtungen in einem dafür geschaffenen Portal auf der Missionsseite einzureichen.  „Wir freuen uns sehr, dass wir die hohen Erwartungen der Wissenschaft erfüllen, das Instrument so hervorragende Ergebnisse liefert und unser ,Baby‘ jetzt tatsächlich seinen regulären Dienst aufnimmt“, sagt Hans-Peter Honold, EnMAP-Projektleiter bei OHB, zum Abschluss des sogenannten „Flight Qualification Review“.

Bilder in bisher nicht verfügbarer spektraler Auflösung

EnMAP ist der erste in Deutschland entwickelte und gebaute Hyperspektralsatellit. Das hochkomplexe Instrument des Erdbeobachtungssatelliten wurde am OHB-Raumfahrtzentrum „Optik und Wissenschaft“ in Oberpfaffenhofen entwickelt und gebaut.  Ingenieurskunst auf höchstem Niveau, denn mit seinen beiden Spektrometern, die über 242 Aufnahmebänder im Wellenlängenbereich von 420 bis 2450 Nanometern verfügen, kann der Satellit die von der Erdoberfläche reflektierte Sonnenstrahlung vom sichtbaren Licht bis in den kurzwelligen Infrarotbereich in einer bisher nicht verfügbaren spektralen Auflösung erfassen. Diese Daten machen das für uns Menschen Unsichtbare sichtbar und zeigen zum Beispiel, welche Mineralien in einem Gebiet sind, ob Pflanzen ausreichend mit Nährstoffen versorgt oder Böden zu trocken sind, aber auch ob Gewässer mit Schadstoffen belastet sind.

Eine neue Ära der Erdbeobachtung

„Mit den hyperspektralen Daten des Umweltsatelliten werden über einen langen Zeitraum Zustand und Veränderungen unseres Planeten erfasst. Die Auswirkungen der fortschreitenden Erderwärmung auf Land und Gewässer werden wir mit Hilfe von EnMAP sicher noch besser verstehen. Schon die ersten Bilder während der Testphase haben gezeigt, was der Satellit leisten kann. Nun sind auch wir gespannt, welche Regionen unseres Planeten die Wissenschaft mit EnMAP genauer untersuchen werden“, sagt Dr. Rüdiger Schönfeld, der Programmdirektor Erdbeobachtung bei OHB.  Mit dem, was seine Teams in Oberpfaffenhofen und Bremen entwickelt hatten, seien sie oft an die Grenze des technisch Machbaren gestoßen. „In all den Jahren haben wir vor allem aber gelernt, worauf es bei der Entwicklung derartig komplexer Instrumente und anspruchsvoller Missionen ankommt, sodass wir dieses breite Wissen und die damit erlangten Fähigkeiten nun auch auf europäischer Ebene einsetzen können, wie zum Beispiel in der Entwicklung der Nutzlast für die Hyperspektralmission CHIME, für die wir von der ESA beauftrag worden sind“, so Schönfeld.

Alle Bilder, die EnMAP bereits aus dem All gesendet hat, darunter auch eine Aufnahme seines Heimatortes Oberpfaffenhofen in satten Grüntönen, können in der Bildergalerie auf der EnMAP-Missionsseite entdeckt werden. Dort ist ab dem 2. November auch das Portal für Beobachtungswünsche erreichbar.

EnMAP - die deutsche Umweltmission und ihre Partner

Die Umweltmission EnMAP (Environmental Mapping and Analysis Program) wird von der Deutschen Raumfahrtagentur im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bonn im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) geführt. Mit der Entwicklung und dem Bau des Satelliten sowie des Hyperspektralinstrumentes wurde die OHB-System AG beauftragt. Die Mission steht unter der wissenschaftlichen Leitung des GeoForschungszentrums Potsdam (GFZ).

Mit dem Aufbau und dem Betrieb des Bodensegments sind drei Institute und Einrichtungen des DLR beauftragt worden: Das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum in Oberpfaffenhofen führt den Satellitenbetrieb durch und überwacht ihn. Das Deutsche Fernerkundungsdatenzentrum und das DLR-Institut für Methodik der Fernerkundung empfängt die Satellitendaten, archiviert, prozessiert und validiert sie, um die Daten der Wissenschaft zugänglich zu machen. Auch Firmen und Behörden werden die Daten ausprobieren und damit künftige Services vorbereiten. Die zukünftige Nutzung der EnMAP-Hyperspektraldaten durch Universitäten und wissenschaftliche Einrichtungen und die Entwicklung von speziellen Anwendungen werden durch BMWK-Förderprogramme unterstützt.

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