OHB startet Bau der ESA-JAXA RAMSES-Sonde

Teams in Bremen und Italien arbeiten unter Hochdruck an der Mission zum Asteroiden Apophis

Bremen, 04.06.2026

Ab jetzt zählt jede Woche: Im Reinraum von OHB in Bremen haben die Arbeiten an der europäischen Planetenverteidigungsmission RAMSES (Rapid Apophis Mission for Space Safety) offiziell begonnen. Mit dem Aufbau der Raumsonde nimmt ein Projekt Fahrt auf, das unter erheblichem Zeitdruck steht: Um den Asteroiden Apophis vor seinem spektakulären Erdvorbeiflug im April 2029 rechtzeitig zu erreichen, muss der Start der RAMSES-Sonde bereits im Frühjahr 2028 erfolgen.

„RAMSES steht für Europas klaren Anspruch, bei der planetaren Verteidigung eine führende Rolle zu übernehmen – und für unsere Fähigkeit, selbst unter extrem hohem Zeitdruck hochkomplexe Missionen erfolgreich umzusetzen“, sagt Marco Fuchs, Vorstandvorsitzender des Raumfahrt- und Technologiekonzerns OHB. „Es ist beeindruckend zu sehen, wie dieses Projekt nun im Reinraum konkrete Gestalt annimmt. Gemeinsam mit der ESA und unseren internationalen Partnern nutzen wir unsere Erfahrung aus Hera, um diese Mission rechtzeitig auf den Weg zu bringen – und dabei wissenschaftlich wie technologisch neue Maßstäbe zu setzen.“

Im Zentrum der aktuellen Integrationsarbeiten steht das sogenannte Zentralrohr der Sonde. Die rund 1,55 Meter hohe Struktur (1549 x 945 x 945 mm) mit einem Gewicht von knapp 40 Kilogramm bildet das tragende Rückgrat des Raumfahrzeugs. In Bremen werden derzeit die ersten Strukturkomponenten zusammengeführt, darunter Paneele und mechanische Subsysteme. Die Montage dieser Elemente markiert einen entscheidenden Meilenstein im Aufbau der beiden Hauptmodule der Sonde.

Technologisch basiert RAMSES auf der ESA‑Mission Hera, die von der OHB System AG in nur vier Jahren entwickelt und gebaut wurde. Diese Hera‑Heritage ermöglicht eine Umsetzung der RAMSES‑Mission in Rekordzeit: Entwicklung, Integration und Tests der Sonde müssen in nur 3,5 Jahren erfolgen, um den Asteroiden rechtzeitig zu erreichen. Die ESA hat OHB Italia mit der Realisierung der Raumsonde als Industrie-Prime beauftragt, Teile der Sonde werden bei OHB in Bremen gebaut.

Enger Zeitplan – Europäisches Teamwork

Die OHB System AG ist federführend bei der Integration der Struktur. Dabei werden zentrale Komponenten internationaler Partner zusammengeführt: Das Zentralrohr stammt von Beyond Gravity, die Strukturpaneele von APCO, während weitere Tragelemente von OHB Czechspace geliefert werden.

„Mit dem Beginn der Integrationsarbeiten im Reinraum ist RAMSES nun sichtbar in der Umsetzungsphase angekommen“, sagt Dr. Andreas Gierse, bei OHB verantwortlich für Struktur, Thermal- und Antriebssystem der Sonde. „Der Zeitplan ist ambitioniert, aber dank unserer Erfahrung, insbesondere aus der Hera-Mission, verfügen wir über das nötige Know-how, um diesen engen Zeitrahmen einzuhalten und gleichzeitig höchste Qualitätsstandards zu gewährleisten.“

Insgesamt entstehen zwei Hauptmodule: Das Propulsion Module, das Ende Juni zu ArianeGroup nach Lampoldshausen geliefert wird, wo Tanks, Triebwerke, Ventile und Leitungen integriert werden. Parallel dazu entsteht das Core Module bei OHB Italia in Mailand, das die zentrale Elektronik umfasst – darunter Bordcomputer, Lageregelungssysteme sowie Kommunikations- und Navigationsinstrumente. Die Zusammenführung beider Module zur vollständigen Raumsonde ist für Anfang 2027 bei ESTEC geplant.

„In Bremen arbeiten derzeit rund 35 Spezialistinnen und Spezialisten in zwei Teams an RAMSES. Etwa 20 Expertinnen und Experten im Bereich Struktur, Mechanik und Antrieb sowie rund 15 Fachkräfte in Systemengineering, Avionik und Softwarevalidierung. Letztere nutzen unter anderem ein modifiziertes Testbed der Hera-Mission, um die neue Missionssoftware und wissenschaftliche Instrumente zu entwickeln und zu testen. Wir liegen gut im Zeitplan“, so RAMSES-Projektleiter und Hera-Chef-Ingenieur Diego Calzolaio.

Zentrale Mission zur planetaren Verteidigung

RAMSES ist eine der zentralen Missionen im Bereich planetare Verteidigung der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Ziel ist es, den rund 375 Meter großen Asteroiden Apophis aus nächster Nähe zu untersuchen, insbesondere während seines extrem nahen Vorbeiflugs an der Erde am 13. April 2029. Dabei wird der Himmelskörper die Erde in nur etwa 32.000 Kilometern Entfernung passieren – näher als viele Satelliten und mit bloßem Auge sichtbar.

Im Fokus der wissenschaftlichen Untersuchungen stehen die durch die Erdgravitation ausgelösten Veränderungen der Struktur des Asteroiden, der vermutlich aus locker gebundenem Gestein, Staub und Eis besteht. Zwei CubeSats sollen hierfür detaillierte Daten liefern: Einer wird in geringer Höhe ausgesetzt und auf der Oberfläche landen, während ein zweiter den Asteroiden umkreist und dessen Verhalten und Zusammensetzung analysiert.

Die Erkenntnisse aus RAMSES sollen entscheidend dazu beitragen, Wissenslücken über die physikalische Beschaffenheit von Asteroiden zu schließen – und damit langfristig auch Strategien zur Abwehr potenzieller Gefahren für die Erde zu verbessern.

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