Vor zehn Jahren startete das Columbus-Modul in den Weltraum

OHB als Wegbereiter des europäischen Forschungsprogramms

OHB Redaktionsteam
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von OHB Redaktionsteam, OHB SE

Am 7. Februar 2008 wurde ein europäisches Großprojekt sprichwörtlich zum Fliegen gebracht: Das Columbus-Modul trat seine Reise in den Weltraum an und wurde nur wenige Tage später erfolgreich an die Internationale Raumstation ISS angekoppelt. Seitdem verfügt der Außenposten der Menschheit über ein europäisches Forschungslabor.

Die Forschungsarbeiten, die an Bord der Raumstation in der Schwerelosigkeit durchgeführt werden können, eröffnen den Wissenschaftlern ganz neue Einblicke. Raumfahrt ist für mich immer dann besonders wertvoll, wenn der Nutzen für die Menschen im Mittelpunkt steht.

Marco Fuchs, Vorstandsvorsitzender der OHB SE

„Die Forschungsarbeiten, die an Bord der Raumstation in der Schwerelosigkeit durchgeführt werden können, eröffnen den Wissenschaftlern ganz neue Einblicke. Raumfahrt ist für mich immer dann besonders wertvoll, wenn der Nutzen für die Menschen im Mittelpunkt steht", sagt Marco Fuchs, der Vorstandsvorsitzende der OHB SE so wie der OHB System AG. „Außerdem leisten große Raumfahrtprojekte wie die ISS und Columbus dauerhaft einen einzigartigen Beitrag zur Völkerverständigung über Ländergrenzen und Kontinente hinweg.“

Aber das Columbus-Modul hat für ihn auch eine weitere, eine persönliche Bedeutung, war sein Vater doch einer der Wegbereiter des Columbus-Programms. Der 2014 verstorbene OHB-Gründer Manfred Fuchs, Professor Ernesto Vallerani und Professor Gottfried Greger wurden Ende 1982 von der Deutschen Agentur für Raumfahrtangelegenheiten (DARA, heute DLR) als Initiatoren des Columbus-Programms geehrt und ausgezeichnet. „Mein Vater hat sich sehr dafür eingesetzt, dass Europa ein eigenes Forschungsmodul entwickelt und baut. Weil man ursprünglich schon 1992 startklar sein wollte – 500 Jahre nach der Entdeckung Amerikas durch Christopher Columbus (so der Name im Englischen) – wurde sein Vorschlag, das Modul Columbus zu nennen, aufgegriffen. Das rief bei uns natürlich eine ganz besondere Identifizierung mit dem Columbus-Programm hervor“, erinnert sich Marco Fuchs.

WICHTIGER MEILENSTEIN FÜR OHB

„Um die Jahrtausendwende waren die Arbeiten bei der OHB System AG in Bremen ganz maßgeblich von Projekten für die ISS und das Columbus-Modul geprägt“, sagt Dr. Marco Berg, der das OHB-Team Astronautische Raumfahrt und Exploration leitet. „Mehr als die Hälfte der damals rund 100 OHB-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter arbeitete an der Infrastruktur oder an Experimenten für die Raumstation. Diese Aktivitäten sehe ich als eine Art Keimzelle an, da hier die ersten größeren Projekte für die Europäische Weltraumorganisation ESA durchgeführt wurden, bevor OHB in die Entwicklung und Fertigung von Satelliten für die ESA eingestiegen ist. Umso mehr freut es mich, dass die astronautische Raumfahrt wichtige Impulse für den Erfolg von OHB setzen konnte und wir uns bei Vorhaben wie Lunar Orbital Platform Gateway gut einbringen können.“

OHB AN BORD

OHB war maßgeblich mit vielen Aktivitäten sowohl an Columbus sowie den Verbindungsknoten, also auch an mechanischen Konstruktionselementen, rund um das Columbus-Projekt beteiligt. An Bord der Raumstation bzw. im Columbus-Labor finden sich folglich eine ganze Reihe und sehr unterschiedliche Beiträge von OHB. Sie reichen von vielen Kilometern Verkabelung und Tausenden Steckverbindungen, Elektronikeinheiten wie Boards für die Bordrechner über verschiedene Lebenserhaltungssysteme bis hin zu kompletten Experimenteinheiten und Forschungsracks. „Mitte der 1990er-Jahre ging das mit Columbus los – zunächst primär mit Verkabelung. 1999 kam dann der Auftrag für ein ganzes Rack im Columbus- Modul. Für uns eine Riesensache, war es doch der erste Hauptauftrag, den wir von der ESA erhielten“, erinnert sich sein Mitarbeiter Dr. Matthias Boehme. Es handelt sich um das Columbus-Rack EPM (European Physiology Modules), eines von insgesamt zehn Racks im Inneren des Moduls, die für Forschungsarbeiten konzipiert wurden. „Auch nach zehn Jahren intensiver Nutzung für zahlreiche Experimente funktioniert unser EPM-Rack immer noch tadellos und ist auch in der Zukunft für neue Experimentsessions voll ausgelastet“, freut sich Dr. Berg.

„Ich werde nie vergessen, wie spannend es war, als am 16. Februar 2008 um 12:02 UTC unser EPM-Rack als erste wissenschaftliche Nutzlast im Columbus-Modul eingeschaltet wurde. Und wie glücklich wir alle waren, dass die Inbetriebnahme erfolgreich war!“, erinnert sich Dr. Boehme. In der Zwischenzeit wurde das eigentlich für humanphysiologische Experimente konzipierte Rack für die Durchführung von 16 unterschiedlichen In-Orbit-Experimenten genutzt und konnte im All erfolgreich und mehrfach an geänderte Anforderungen angepasst werden.

RUNDUM-SERVICE BEI EPM

Das kleine OHB-Team bietet eine Art Rund-um-Service: Es leistet technische Beratung für die vielfältige Nutzung der Anlage oder bei Anpassungen an neue Konfigurationen. Bei der Integration neuer Experiment-Einschübe in das Rack ist es bereits in der Planungsphase eingebunden, um sicherzustellen, dass alle Schnittstellen korrekt genutzt werden und das Experiment später auf der ISS im EPM-Rack reibungslos funktioniert. Und natürlich steht das OHB-Team parat, wenn ein Experiment im Orbit erstmals in Betrieb genommen wird. Je nach Bedarf auch beim operationellen Betrieb, also wenn Experimente im EPM-Rack laufen. Vor dem Raumflug trainieren die Astronauten beim European Astronaut Center in Köln am EPM-Trainingsmodell die Durchführung der Experimente. „Für mich ist es nach wie vor ein ganz besonderes Highlight, wenn wir die Astronauten erst beim Training mit dem EPM-Rack und später bei der Nutzung des EPM-Flugmodells im Erdorbit beim jeweiligen Experiment unterstützen dürfen“, sagt Dr. Berg. „Wenn ein Experiment im EPM-Rack reibungslos lief, dann sind wir natürlich stolz auf unsere Anlage und freuen uns mit den Kosmonauten oder Astronauten und den Wissenschaftlern, die zu diesem Zeitpunkt vermutlich schon auf die generierten Daten gespannt sind.“

EPM beherbergt unter anderem das deutsch-russische Plasmakristall-Labor PK-4, bei dem die Expertinnen und Experten vom OHB-Standort in Oberpfaffenhofen im Auftrag der ESA alle Systemaufgaben verantworten. „Das Universum, das wir beobachten können, besteht zu 99,9 Prozent aus Plasma. Plasma ist ein Aggregatszustand, der nicht fest, nicht flüssig und nicht gasförmig ist, dessen Eigenschaften und Wechselwirkungen in PK-4-Experimenten intensiv untersucht werden“, führt Dr. Boehme aus.

OHB QUALIFIZIERT EQUIPMENT FÜR DEN RAUMFLUG

OHB wird auch beauftragt zu prüfen, ob fremde Experimente für den Einsatz in der Schwerelosigkeit geeignet sind, und unterstützt bei notwendigen Modifikationen. „Bei den humanphysiologischen Experimenten SKIN zur Feuchtemessung der Haut und Thermolab zur non-invasiven Kerntemperaturmessung haben wir unsere Expertise einbringen können. Unser Sportgerät FlyWheel half, den Muskelabbau von Astronauten zu min- dern. Bald kommt ein von OHB qualifiziertes Gerät namens Myoton zur nicht-invasiven Messung der Muskelspannung an Bord, das ESA-Astronaut Alexander Gerst bei seiner bevorstehenden zweiten Mission einsetzen wird“, erklärt Dr. Boehme.

Das OHB-Team Astronautische Raumfahrt und Exploration freut sich wie unzählige Menschen in Deutschland und auf der ganzen Welt auf die be- vorstehende, zweite ISS-Mission von Alexander Gerst – und seine beeindruckende Berichterstattung vom Außenposten der Menschheit im Welt- raum. Insbesondere fiebert das Team den Momenten entgegen, wenn er wieder das EPM-Rack für verschiedene Experimente nutzen wird.

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