Und nun zum Wetter …

Was kann unser Meteosat-Wettersatelliten MTG ?

OHB Redaktionsteam
Veröffentlicht am
von OHB Redaktionsteam, OHB SE

Der Sommer hat uns fest im Griff. Höchste Zeit uns einmal mit Wettervorhersagen und unseren Meteosat-Wettersatelliten MTG auseinanderzusetzen. Die Satelliten zeichnen ein globales, dreidimensionales Bild der Wettersysteme der Erde – und des Weltalls.

Fast jedes Land hat seinen eigenen Wetterdienst. Die gigantische Datenmenge von 191 Mitgliedsstaaten und -territorien läuft in der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) mit Sitz in Genf zusammen. Mehr als 10.000 bemannte und automatische Wetterstationen, über 7.000 Schiffe, mehr als 100 feste und 1.000 treibende Bojen, Hunderte von Radarstationen und über 3.000 Flugzeuge sowie Wetterballone und Bohrinseln messen die Schlüsselparamater weltweit zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Satelliten auf polarer und geostationärer Bahn vervollständigen das Netzwerk. Sie werden gebraucht, um das komplexe Gesamtsystem Wetter im Blick zu haben.

Alleinstellungsmerkmal durch MTG

Derzeit freuen sich die Wetterforscher auf die dritte Generation der Meteosat-Wettersatelliten (MTG). Die Europäische Organisation für die Nutzung meteorologischer Satelliten EUMETSAT hat mit der ESA bei Thales Alenia Space sechs Satelliten in Auftrag gegeben, vier Imager und zwei Sounder. OHB System in Bremen zeichnet für die sechs Satellitenplattformen sowie die Systemführerschaft der beiden Sounder verantwortlich.

Auf die Ergebnisse der Instrumente, die von OHB in Oberpfaffenhofen entwickelt und gebaut werden, freuen sich die Meteorologen besonders, weil sie neu sind in der europäischen Satelliten-Meteorologie.

Dr. Rüdiger Schönfeld, Projektleiter MTG

Die Imager nehmen mit optischen Kameras Wetterbilder in wesentlich höherer Auflösung auf als bisher möglich und übertragen sie schneller zur Erde. Dadurch wird die Wettervorhersage deutlich einfacher und präziser. Die beiden Sounder haben Infrarotkameras und können erstmals aus dem geostationären Orbit die einzelnen Schichten der Atmosphäre abtasten und so Aufschluss über Lufttemperatur, Windgeschwindigkeit und Feuchte in den verschiedenen Schichten geben.

„Auf die Ergebnisse der Instrumente, die von OHB in Oberpfaffenhofen entwickelt und gebaut werden, freuen sich die Meteorologen besonders, weil sie neu sind in der europäischen Satelliten-Meteorologie. Sie sind sozusagen die Krönung der Mission und verschaffen Europa ein Alleinstellungsmerkmal in der Wetterforschung“, so Dr. Rüdiger Schönfeld, Projektleiter MTG bei OHB in Bremen. Waren die Satelliten der ersten beiden Generationen noch „Spinner“, also sich drehende Satelliten, die streifenweise Bilder von Europa, Afrika und dem Ostatlantik machten, „starren“ die MTG-Satelliten im geostationären Orbit permanent auf die ihnen anvertrauten Gebiete. Sie liefern alle zehn Minuten Gesamtbilder und alle zweieinhalb Minuten Teilansichten. Außerdem sind sie mit Blitzsensoren ausgerüstet, die Gewitter erkennen. Atmosphärische Spurenstoffe erfassen sie obendrein. Der erste MTG-Imager soll 2021 starten. Ihm folgt Anfang 2023 der erste MTG-Sounder. Insbesondere die lokalen Vorhersagen und die Langzeitprognosen sollen deutlich verbessert werden. Das ist nicht nur für Privatpersonen von großem Interesse. Ganze Wirtschaftszweige verlassen sich auf die Angaben der Meteorologen. Zum Teil sind die Einschätzungen der Wetterforscher überlebenswichtig, beispielsweise wenn es um Hurrikanwarnungen geht. Landwirte planen ihre Aussaat anhand der Vorhersagen, Stromversorger haben durch die regenerativen Energien ein hohes Interesse an Windentwicklung und Sonneneinstrahlung, Fluggesellschaften und Piloten verlassen sich auf die Aussagen zu Nebelfeldern und Höhenwinden. Auf 100 Prozent Genauigkeit wird die Wettervorhersage sicherlich nicht kommen können. Aber mit dem hochmodernen MTG-System wird sie dem Ziel, immer präzisere und verlässlichere Angaben für die Menschen und die Wirtschaft zu machen, einen bedeutenden Schritt näher kommen.

Auswirkungen des Weltraumwetters

Doch nicht nur das Wetter auf der Erde, auch Wetterereignisse im Weltraum sind von erheblicher Bedeutung. Die ESA lässt im Rahmen ihres Space-Situational-Awareness-Programms Missionsarchitekturen definieren, mit denen Weltraumeffekte erforscht werden könnten. Das Team von OHB LuxSpace hat für das Distributed Space Weather Sensor System (D3S) der ESA kürzlich untersucht, welche Kleinsatellitenkonstellationen und Instrumente sinnvoll sein können, um die Space-Weather-Phänomene in Erdnähe zu erforschen. Im Rahmen des „Enhanced Space Weather Monitoring System“ soll die D3S die Auswirkungen von Weltraumwetterereignissen wie z. B. erhöhte Sonnenaktivität auf die Umwelt der Erde überwachen, während eine andere spezielle Sonde am Lagrange-Punkt L5 die Sonne genau beobachten soll.

Die Aktivitäten der Sonne haben enorme Auswirkungen auf sensible Elektronik von Satelliten und können auch die Telekommunikations- und Stromnetze auf der Erde beeinträchtigen

Marc Scheper, OHB-Projektleiter

Da setzt auch die Studie an, an der OHB in Bremen derzeit zur besseren Vorhersage von Weltraumwetterphänomenen im All für die ESA arbeitet. Gemeinsam mit der NASA plant die europäische Weltraumorganisation eine Mission, bei der ein amerikanischer Satellit am Lagrange-Punkt 1 platziert wird und eine europäische Sonde am Lagrange-Punkt 5. Dadurch kann man „von der Seite“ auf die hochenergetischen Teilchen nach Sonnenstürmen schauen und deren Geschwindigkeit besser bestimmen. „Durch die Satellitenkonstellation würde sich die Vorwarnzeit für Space Weather Effects von derzeit einigen Stunden auf vier bis fünf Tage ausdehnen“, so der OHB-Projektleiter Marc Scheper. „Die Aktivitäten der Sonne haben enorme Auswirkungen auf sensible Elektronik von Satelliten und können auch die Telekommunikations- und Stromnetze auf der Erde beeinträchtigen“, ergänzt Scheper. Mit einer Vorwarnzeit von ein paar Tagen hätten Satellitenbetreiber je nach Ausmaß der Phänomene zumindest die Chance, ihre Satelliten zu retten, indem sie die Solarpaneele einklappen oder die Satelliten ganz abschalten.

Pionier der Raumfahrt werden: Karriere bei OHB machen.

We. Create. Space. Durchstarten bei einem der erfolgreichsten europäischen Raumfahrtunternehmen.

Zum Karriereportal