OHB auf dem Weg zum Mars

Endspurt für die Mission Exomars

OHB Redaktionsteam
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von OHB Redaktionsteam, OHB SE

Als am 26. November 2018 um 20:52:59 Uhr Mitteleuropäischer Zeit die Sonde InSight auf dem Mars in der Ebene Elysium Planitia sicher gelandet war, fieberte auch die OHB-Belegschaft mit. Denn OHB hat den Roten Planeten ebenfalls fest im Blick und schickt mit der Mission ExoMars bald die eigene Expertise auf die Reise zum Mars. Für zwei OHB-Ingenieure beginnt nun eine besonders spannende Zeit. Mark Fittock und Georgios Tsakyridis haben schon an dem Mars-Maulwurf Mole der InSight-Mission mitgewirkt und drücken jetzt dem OHB-Team beim Gelingen von ExoMars kräftig die Daumen.

ExoMars: die suche von Spuren von Leben auf dem Roten Planeten

ExoMars ist eine Kooperation zwischen ESA und der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos und konzentriert sich auf die Suche nach Spuren von Leben auf dem Roten Planeten. Das ExoMars-Programm gliedert sich in zwei Missionen: Im Jahr 2016 starteten der Spurengas-Orbiter (Trace Gas Orbiter, TGO) sowie ein Eintritts- und Landemodul. Die OHB System AG war im Unterauftrag zu Thales Alenia Space mit dem Kernmodul des TGO für den größten deutschen Beitrag zur ersten Mission verantwortlich.

Jetzt geht der zweite Teil der Mission in den Endspurt: Ein Carrier-Modul, welches OHB in Bremen baut, bringt das russische Landemodul 2020 zum Mars. Im Landemodul befindet sich der Rover. Wenn das Landemodul auf dem Mars gelandet ist, klappt es auf und der Rover fährt los, während die fixe Station an der Landestelle bleibt. Sie hat russische und europäische Experimente an Bord, unter anderem von der OHB-Tochterfirma Antwerp Space. Der Carrier, der in der Integrationshalle in Bremen gerade mit den Solar-Panels versehen wird, ist so gut wie fertig. „Wir befinden uns im Endspurt. Nach der Integration der Solar-Panels wird der Carrier noch umfangreichen Tests unterzogen und dann werden wir ihn im März ausliefern können. Somit läuft alles nach Plan“, sagt ExoMars-Carrier-Projektleiter Dr. Andreas Peukert.

OHB trägt auch zum Mars-Rover bei

OHB liefert neben den Anteilen am Carrier auch wesentliche Elemente für den Mars Rover. Hier bringt das Unternehmen seine Expertise ein für das Auswählen, das Aufbereiten sowie die Verteilung und das Analysieren der aus bis zu zwei Metern Tiefe gewonnenen Bodenproben. Dafür entwickelten die Expertinnen und Experten am OHB-Raumfahrtzentrum „Optik & Wissenschaft“ eine hochauflösende Kamera, ein komplexes, im Inneren des Rovers untergebrachtes System für die Probenaufbereitung und -verteilung sowie Beiträge zum RAMAN/RLS Laserinstrument, das mineralogische Untersuchungen vor Ort erlaubt.

Genauer erklärt: Der Rover ist mit einem Bohrer ausgestattet. Im Inneren des Rovers befindet sich die Analitical Laboratory Drawer (ALD), die SPDS (Sample Preparation and Distribution System) und verschiedene Instrumente. SPDS und ALD umschließen eine gasdichte Ultra Clean Zone (UCZ), um die ExoMars-Instrumente vor biologischer und chemischer Verunreinigung auf der Erde zu schützen. „OHB Oberpfaffenhoffen ist verantwortlichen für die Entwicklung, Fertigung, Integration und Qualifizierung der ALD Struktur, die ALD Harness und die SPDS. Derzeit arbeiten wir mit vollem Engagement an der Lieferung der letzten offenen Bauteile“, sagt Christiane Bergemann, Projektleiterin für ALD/SPDS.

Daumen drücken für ExOMARS

Mit ihren ehemaligen Kolleginnen und Kollegen vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt freuten sich auch die beiden OHB-Ingenieure Mark Fittock und Georgios Tsakyridis. Sie haben vor dem Jobwechsel zu OHB beim DLR in Bremen an dem Mars-Maulwurf Mole mitgewirkt. „Das war ganz schön aufregend und ich habe wirklich geschwitzt und die Landung im Livestream verfolgt“, sagt Mark Fittock, der jetzt als Ingenieur im Bereich Predevelopment, Space System Studies & Proposals bei OHB tätig ist. Während seiner Zeit beim DLR hat der 34-Jährige an der Entwicklung der Wärmeflusssonde HP3 (Heat Flow and Physical Properties Package) mitgewirkt. Diese Sonde wird mit einem Roboterarm, dem „Maulwurf“, ausgefahren und sich bis zu fünf Meter in den Marsboden graben. So sollen neue Erkenntnisse gewonnen werden, wie das Marsinnere und allgemein Gesteinsplaneten aufgebaut sind und sich entwickelt haben. Die Sonde misst auch, wie viel Wärme vom Planetenkern bis zur Oberfläche fließt. Diese Daten sollen neue Erkenntnisse über die Anatomie unseres Nachbarplaneten liefern und sogar Hinweise darauf geben, wie das Sonnensystem entstanden ist.

Live im NASA-Kontrollzentrum in Pasadena, Kalifornien hat Georgios Tsakyridis, Ingenieur im Bereich Electrical AIT Integration & Test, am 26. November mitgefiebert: „Für fünf Minuten herrschte im Kontrollzentrum absolute Stille.“ Dann brach Jubel aus und „danach gab es natürlich eine große Party.“

Jetzt freuen sich Mark Fittock und Georgios Tsakyridis bei OHB an Bord zu sein und drücken ihren Kolleginnen und Kollegen aus der Abteilung Exploration alle Daumen für das Gelingen der ExoMars-Mission. Bei Gelegenheit werfen sie auch gerne einen Blick in die OHB-Integrationshalle, in der das Carrier-Modul für ExoMars gerade den letzten Feinschliff erhält. Der Mars liegt ihnen nun mal am Herzen.