„Man kann nicht alles planen“

Interview mit OHB-Logistikleiter Torsten Uhlhorn

 

OHB Redaktionsteam
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von OHB Redaktionsteam, OHB SE

Torsten Uhlhorn, Leiter Logistik bei OHB in Bremen, spricht im Interview über die Herausforderung einen Satelliten per Schwertransport auf den Weg zu bringen und warum langwierige Genehmigungsverfahren einen Plan manchmal „unplanbar“ machen.

Mit rund 2,5 Tonnen „Trockengewicht“ ist der Kommunikationssatellit EDRS-C kein Leichtgewicht und bei rund vier Metern Höhe auch kein Zwerg. Wie bekommt OHB den Technologie-Riesen aus dem Bremer Reinraum zur IABG nach Ottobrunn?

Torsten Uhlhorn: Das geht per Schwertransport mit Ausnahmegenehmigung und besonderen Auflagen. Doch heutzutage kann man einen Transport von Bremen nach Bayern (Ottobrunn) nicht mehr auf den Tag planen. Die Baustellen auf den Autobahnen machen uns einen Strich durch die Rechnung. Der Spediteur plant die Route, der Transport findet dann meist nachts zwischen 22 und 6 Uhr statt, da dann die Straßen leer sind. Unser Spediteur setzt sich dann mit den Behörden der zu durchfahrenden Bundesländer auseinander.

Und dann rollt der Lastzug mit Satellit einfach so auf die Autobahn?

Uhlhorn: Natürlich nicht. Bevor ein Schwertransport unseren Hof verlässt, müssen wir einiges organisieren. Sobald der Abfahrtstermin bestätigt ist, starten die Planungen. Wir brauchen eine Ausnahmegenehmigung für Schwertransport vom Amt für Straßenverkehr in Bremen und allen anderen beteiligten Bundesländern. Bis diese vorliegt, kann es aber leider schon mal drei Wochen dauern. Das müssen wir einkalkulieren. Noch weiter im Voraus müssen wir planen, wenn der Transport ins Ausland geht. Dann sprechen wir von einer Genehmigungsfrist nicht unter 8 Wochen.

Und wie bereitet sich der Satellit auf seine Reise vor?

Uhlhorn: Das hängt natürlich vom Satellit ab. Grob gesagt, wird der Satellit in einen Container mit Iso-Reinraumbedingungen verpackt und steht dann bis zum Abtransport im Airlock. Nach der Verladung auf den Lkw macht die Polizei noch eine Abfahrtskontrolle, die Beamten begleiten unseren Transport auch bis zur Autobahnauffahrt.

Zum Weltraumbahnhof in Kourou führt aber noch keine Autobahn. Was ist das Besondere an Flugtransporten?

Uhlhorn:Unser Kommunikationssatellit SmallGEO beispielsweise ging von München per Transportflugzeug Antonov An-124 auf die Reise nach Kourou. Das war schon beeindruckend. Das 69 Meter lange Transportflugzeug ist wirklich riesig. Vor Transporten als Luftfracht muss die Ladung auf ihre Sicherheit kontrolliert werden.

Zurück nach Bremen. Bei der sehr guten Auftragslage von OHB wird es sicher mal eng in den Reinräumen und Integrationshallen. Eine logistische Herausforderung?

Uhlhorn: Auf jeden Fall. Natürlich sind wir sehr glücklich über die tolle Entwicklung unseres Unternehmens. Dadurch sind wir jetzt gezwungen, unsere Reinraumflächen in Bremen zu erweitern. Sprich: Wir bauen eine neue Halle. 

Klingt nach viel Arbeit für ein zehn Mann/Frau-Team in der Abteilung Logistik?  

Uhlhorn: Das stimmt. Neben der Transportorganisation, Hallenkoordination und Luftfrachtsicherheit, kümmert sich mein Team ja unter anderem auch um Zollangelegenheiten sowie um spezielle Verbrauchsgüter und Werkzeuge für unsere AIT Kollegen. Wir arbeiten hier mit zehn superflexiblen Kolleginnen und Kollegen, die sich schon mal eine Nacht um die Ohren schlagen, wenn ein Transport spät am Tage vom Hof rollen soll. Das ist wirklich ein toller Einsatz.

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