Klein aber oho: Mikrosatellit ESAIL macht sich bereit für den Start

Im Interview spricht ESAIL-Projektleiter Miguel Ordoñez Labrador von der OHB-Tochter LuxSpace über die Herausforderungen des Projektes und die Vorteile des Mikrosatelliten  

OHB Redaktionsteam
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von OHB Redaktionsteam, OHB SE

Miguel, seit 2017 arbeitest du als Projektmanager für ESAIL bei LuxSpace. Wie bist du auf uns aufmerksam geworden und was macht LuxSpace (LxS) als Arbeitgeber für dich attraktiv?

Miguel Ordoñez Labrador: Das Raumfahrtgeschäft ist relativ klein, und LxS ist ein Unternehmen, das einen großen Teil der Wertschöpfungskette im Kleinsatellitenmarkt abdeckt. Für mich stach LxS immer als interessante Option zur Bewältigung neuer beruflicher Herausforderungen hervor.

Hattest du vorher bereits beruflich mit Mikrosatelliten zu tun?

Bevor ich zu LxS kam, war ich hauptsächlich an Erdbeobachtungssatelliten und anderen eher wissenschaftlichen Missionen beteiligt. Ich habe z. B. an Sentinel 3 gearbeitet – die Satelliten sind Teil des Copernicus-Programms und haben unter anderem die Aufgabe, die Ozeane zu beobachten, indem sie z. B. Farbe und Temperatur der Meeresoberfläche messen. Daher hatte ich vor meiner Arbeit bei LxS nicht an Mikrosatellitenprojekten teilgenommen, aber ich hatte umfangreiche Erfahrung in ESA-bezogenen Raumfahrtmissionen, und genau das war es, was LuxSpace suchte. Meine Erfahrungen in diesen Missionen haben sich als sehr nützlich erwiesen, um den Herausforderungen zu begegnen und die Möglichkeiten der Mikrosatelliten aufzuzeigen.

Was ist ein Mikrosatellit?

Ein Mikrosatellit ist in der Lage, die meisten Dienste anderer größerer Satelliten anzubieten, jedoch mit geringeren Kosten in Bezug auf Entwicklung, Herstellung, Start und Betrieb. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die kürzere Zeit bis zur Markteinführung, was bedeutet, dass Mikrosatelliten in der Regel über modernste Technologien verfügen. Dann ist da noch die Eignung von Mikrosatelliten für den Einsatz in einer Konstellation. Dadurch wird u. a. die Zuverlässigkeit erhöht. Fällt ein Satellit aus, kann dies durch andere kompensiert werden. Tatsächlich wurde ESAIL als Demonstrationsmission für eine zukünftige Satellitenkonstellation konzipiert.

Welche Vorteile haben deiner Meinung nach Mikrosatelliten gegenüber großen Satelliten?

Mikrosatelliten werden für andere Zwecke als große Satelliten hergestellt, daher ist es etwas ungerecht, beide zu vergleichen. Mikrosatelliten sollen eine spezifische Marktlücke abdecken, die sich durch einen erschwinglichen und agilen Zugang zu speziellen Weltraumdiensten für ein breiteres Publikum auszeichnet. Mit anderen Worten, kurze Entwicklungszeiten und maßgeschneiderte Dienste zu moderaten Kosten sind die größten Vorteile von Mikrosatelliten.

Du hast das Projekt ESAIL zu einem Zeitpunkt übernommen, als es schon in vollem Gang war. Das war sicherlich eine Herausforderung. Wie hast du es geschafft, den richtigen Einstieg zu finden?

Meine bisherigen Erfahrungen im Raumfahrtsektor spielten sicherlich eine entscheidende Rolle bei meiner Einarbeitung in ESAIL. Dann machten harte Arbeit, aktive und häufige Kommunikation und ein oder zwei schlaflose Nächte den Rest. (lacht) Außerdem waren die Teamkollegen sehr reaktionsschnell und unterstützend und auch geduldig, als ich ankam. Sie halfen mir, die wichtigsten Aspekte des Projekts zu verstehen, und erklärten mir den aktuellen Stand des Projekts. Sie machten es mir leicht, schnell mit der produktiven Arbeit zu beginnen.

Jetzt leitest du ESAIL seit fast drei Jahren. Was war bisher deine spannendste Aufgabe?

Für mich begann die spannendste Projektphase mit der Montage der Hardware. Dabei durchläuft ein Satellit verschiedenste Testkampagnen und die Ergebnisse dieser Tests, wie z. B. EMC-Tests oder Vibrationstests, zeigen, ob man gute Arbeit geleistet hat oder nicht. Unsere Umwelttestkampagne war sehr erfolgreich. Dies zeigte uns, dass wir mit den Ergebnissen vorangegangener umfangreicher Studien richtig lagen und gute Vorarbeit geleistet haben. Auch hat die Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten maßgeblich zu diesem erfolgreichen Ergebnis beigetragen. Aber vor allem ist das Team hier bei LuxSpace sehr engagiert und kompetent, ohne dessen Beitrag wäre nichts davon möglich gewesen.

Wie viele Leute arbeiten bei LuxSpace für ESAIL?

Die Anzahl der Mitarbeiter von ESAIL hängt zum Teil von der Projektphase ab. Aber im Durchschnitt hat das Projekt die Teilnahme von mehr als 30 Ingenieuren in verschiedenen Bereichen erfordert, um es an den Punkt zu bringen, an dem wir heute stehen.

ESAIL hat erfolgreich den Weltraumsimulationstest und den Vibrationstest hinter sich gebracht. Was sind die nächsten Schritte bis zum Start?

Nach Abschluss der Umwelttestkampagne und des abschließenden Integrated System Test, der die Einhaltung der Missionsvorgaben durch den Satelliten nachgewiesen hat, wurde der Satellit zum Startplatz in Kourou transportiert. Am Startplatz werden die Abschlusskontrollen und die Paarung mit dem Träger durchgeführt. Danach ist ESAIL bereit für den Start.

exactEarth und Arianespace haben den Vertrag zur Beförderung des Satelliten ins Weltall unterzeichnet. Wann und von wo aus wird ESAIL gestartet?

Der Launch selbst ist derzeit für Ende März dieses Jahres geplant.

Welche Aufgabe soll ESAIL erfüllen?

ESAIL trägt eine AIS-Nutzlast. AIS steht für Automatic Identification System und ist ein verbindliches internationales Kommunikationssystem für die Navigation gemäß den Bestimmungen der von der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) gebilligten SOLAS-Übereinkommen (Safety of Life at Sea). Kurz gesagt, AIS ist ein Antikollisionssystem für Schiffe. ESAIL wird die AIS-Signale von Schiffen über den Ozeanen sammeln und übertragen, um Position, Geschwindigkeit und andere Schiffsinformationen wie Name oder Identität des Schiffes zu verfolgen.

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