Die neuen Möglichkeiten von New Space

Warum die Zukunft der Raumfahrt immer öfter auch private Raumfahrt ist

Die Geschichte der Raumfahrt ist gerade mal 100 Jahre alt. In dieser Zeit ist jedoch eine Menge passiert. War 1957 der erste Satellit Sputnik noch eine echte Revolution, sind Satelliten heute Alltag. Als Neil Armstrong 1969 als erster Mensch den Mond betrat, war es ein „großer Schritt für die Menschheit“. Heute ist in der bemannten Raumfahrt eine Mission zum Mars wohl der nächste große Schritt.

Bisher war die Raumfahrt ein Privileg von wenigen. Raumfahrtprojekte und -missionen wurden jahrzehntelang von öffentlichen Institutionen – also von Staaten und großen Raumfahrtagenturen – in Auftrag gegeben. Das hat sich in den letzten Jahren geändert.

 

New Space: Private Anbieter treiben die kommerzielle Nutzung des Weltraums voran

In welchen Bereichen und Branchen gibt es Potenzial für New Space?

Ausgewählte New-Space-Projekte von OHB

New Space: Private Anbieter treiben die kommerzielle Nutzung des Weltraums voran

Nach wie vor sind die großen Raumfahrtagenturen Hauptauftraggeber der Raumfahrtunternehmen. So betrug das Budget der europäischen Agentur ESA 2017 rund 5,75 Milliarden Euro. Aber kommerzielle Geschäftsmodelle haben in der Raumfahrt in den letzten Jahren stark zugenommen.

Neue Unternehmen werden gegründet und sind vielfach mit Risikokapital ausgestattet. Startups und etablierte Unternehmen aus der Raumfahrt entwickeln Ideen und Anwendungen für die kommerzielle Weltraumnutzung. Fast immer versuchen diese Unternehmen, Geschäftsmodelle an der Schnittstelle von Raumfahrt und digitaler Informationstechnologie marktreif zu machen. Die Kombination dieser Faktoren ist die Basis für das, was Experten als „New Space“ bezeichnen.

IT ist ein Treiber für neue Weltraumanwendungen

Im Gegensatz zur Weltraumforschung geht es bei New Space weniger um die Neuentwicklung von Technologien, sondern um den Einsatz bestehender Technologien im Weltraum. Generell steigt die Relevanz von Informationstechnologien für Weltraumanwendungen und treibt sie voran. Das war vor einem halben Jahrhundert noch umgekehrt: Damals war die – noch sehr junge – Raumfahrt so etwas wie ein Wegbereiter für die IT. Verkürzt gesagt: Ohne Raumfahrt gäbe es keine Satellitentechnik – und damit keine flächendeckende Digitalisierung.

Heute ist die Dynamik im IT-Sektor hoch: „Getrieben durch einen kurzen Generationszyklus von 2–3 Jahren, hohen Wettbewerbs- und Innovationsdruck in Massenmärkten, und die immer breitere Digitalisierung der globalen Wirtschaft und der privaten Lebenswelt“, heißt es in einer New-Space-Studie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums. Ohne diese Entwicklung wäre New Space heute undenkbar.

Asteroidenbergbau rückt in den Blickpunkt von New Space

Kleines Gedankenspiel: Ein kleines unbemanntes Raumschiff verlässt mit ein paar Robotern die Erde und landet auf einem erdnahen Asteroiden. Dort bauen die Roboter Ressourcen ab, die auf der Erde gebraucht werden. Weil sich außerdem Metalle, Wasser und andere Materialien auf dem Asteroiden befinden, können die Roboter daraus ein größeres Raumschiff bauen und Treibstoff gewinnen, um mit den Rohstoffen wieder auf die Erde zurückzukehren. Denn mit schweren Lasten die Erdatmosphäre zu verlassen, ist eine große Herausforderung für die Raumfahrt. Das klingt nach Science-Fiction? Galt Asteroidenbergbau („Asteroid Mining“ oder auch „Space Mining“) bis vor wenigen Jahren noch als utopisches Gedankenspiel – und als Stoff, der Autoren beflügelt wie etwa im Film „Moon“ von 2009 – rückt es heute in den Blickpunkt vieler New-Space-Unternehmen. Auch wenn bis dahin wohl noch ein paar Jahrzehnte ins Land gehen dürften, erscheinen die Rohstoffe aus dem Weltraum, vor dem Hintergrund zunehmender Ressourcenknappheit auf der Erde, wie ein spektakulärer Problemlöser.

In welchen Bereichen und Branchen gibt es Potenzial für New Space?

Asteroid Mining? Die meisten New-Space-Ideen klingen da weitaus weniger spektakulär. Aber ihr Nutzen für den Menschen – und ihre Umsetzbarkeit – kratzen ganz nah an der Gegenwart. Viele New-Space-Ideen profitieren von den Leistungen der Raumfahrt, weil sie Daten und Informationen nutzen, die andere Raumfahrtmissionen (zum Teil kostenlos) für sie bereitstellen.

New Space für Satellitendienste

So ist das europäische Satellitennavigationssystem Galileo technische Basis für New-Space-Unternehmen. Denn Galileo-Dienste wie hochpräzise Zeit- und Positionsangaben eröffnen Geschäftspotenzial für Software im Hochfrequenzhandel für den Finanzmarkt oder für Anwendungen, mit denen sich logistische Prozesse und Lieferketten besser steuern lassen.

Auch bei Telekommunikationssatelliten bewegt sich der Markt. Weltweit verfügbare Streaming-Dienste oder das Internet of Things erfordern immer höhere Bandbreiten.

Das bedeutet: Mehr und effizientere Satelliten sind nötig – und die Nutzlasten auf den Satelliten brauchen eine höhere Funktionalität. Gleichzeitig müssen sichere Datenströme gewährleistet sein. Eine deutliche Folge daraus sind veränderte Entwicklungs und Produktionszyklen: Die Modularisierung und Standardisierung von Prozessen nimmt zu. Außerdem werden neue Produktionsmethoden getestet.

„Wir setzen uns intensiv mit dem 3-D-Druck von Bauteilen und Virtual Reality für die Integrationsprozesse auseinander, damit sich die einzelnen Produktionsschritte nicht gegenseitig ausbremsen.“

Carsten Borowy, Abteilungsleiter Zukunftsprogramme Telekommunikationssateliten bei OHB System

New Space für Life Sciences

Auch im interdisziplinären Feld der Life Sciences steckt jede Menge Potenzial für den New-Space-Markt: Denn die Auseinandersetzung mit biologischen Fragestellungen im Kontext Raumfahrt ist ein viel diskutiertes Thema. Die Weltraumforschung beschäftigt sich in vielen Studien damit, wie biologisches Leben in Extremsituationen reagiert: Wie verhalten sich (komplexe) Organismen bei extremer Kälte, Hitze oder anderen Fremdeinflüssen – und wie können sie sich davor schützen? Die Grundfrage dabei ist, wie Leben in lebensfeindlicher Umgebung gedeihen kann. New Space leitet auf dieser Basis die Aufgabe ab, mit den Erkenntnissen aus nutzbringenden Raumfahrtaktivitäten das Leben auf der Erde zu verbessern – perspektivisch auch das Leben auf anderen Planeten.

„In der Raumfahrt bewegen wir uns immer im Randbereich der technologischen Möglichkeiten. Was noch nicht da ist, muss erfunden beziehungsweise entwickelt werden. Die Anforderungen sind extrem, intensiv und herausfordernd.“

Carsten Borowy, Abteilungsleiter Zukunftsprogramme Telekommunikationssateliten bei OHB System

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New Space für Raumtransport

Lange Zeit waren es nur Staaten, die Weltraumforschung und den Bau von Raketen, Satelliten und Raumschiffen finanzieren konnten. Mittlerweile gibt es verschiedene private Raumfahrtunternehmen. Sie inszenieren ihre Projekte oft medienwirksam, wie das jüngste Beispiel der Mars-Rakete Falcon Heavy des Tesla-Gründers Elon Musk eindrücklich zeigt. Musks Unternehmen SpaceX (Space Exploration Technologies Corporation) entwickelt Technologien, mit deren Hilfe die Menschheit den Mars und andere Planeten kolonisieren soll.

Virgin Galactic, das Weltraumunternehmen des Milliardärs Richard Branson, hat das Ziel, Weltraumtouristen ins All zu bringen und baut dazu suborbitale Flugzeuge mit Raketenantrieb. Auch Amazon-Gründer Jeff Bezos gründete bereits im Jahre 2000 das Unternehmen Blue Origin, das mittels wiederverwendbarer Flugsysteme suborbitale Flüge durchführt.

Mittlerweile gibt es aber auch Partnerschaften zwischen staatliche und privaten Raumfahrtprojekten, so fliegt SpaceX beispielsweise im Auftrag der NASA Versorgungsflüge zur ISS.

Ausgewählte New-Space-Projekte von OHB

 

Triton-X: Kleine und vielseitige Mikrosatelliten

Der New-Space-Markt braucht vergleichsweise preiswerte, vielseitige und schnell verfügbare Produkte. Die OHB-Tochter LuxSpace entwickelt unter dieser Vorgabe die Mikrosatellitenplattform Triton-X und eine Fertigungsstraße für eine Serienfertigung.

Triton-X schafft damit neue Perspektiven für die OHB-Gruppe im sogenannten New-Space-Markt und eröffnet für Unternehmen Möglichkeiten für kommerzielle Anwendungen – Satellitenkommunikation, Erdbeobachtung und die Erprobung neuer Technologien im Weltraum. Triton-X ist ein kostengünstiges Serienprodukt, das schnell verfügbar ist. Auch für den Aufbau mehrerer kooperierender Satelliten – also Konstellationen – ist Triton-X geeignet.

Aus kargen Wüsten werden blühenden Landschaften: Blue Horizon

Die OHB-Tochter Blue Horizon möchte die Voraussetzungen schaffen, um nachhaltiges Leben im Weltraum zu ermöglichen – und mit den diesen Erfahrungen verwüstete Landschaften auf der Erde wieder fruchtbar zu machen (Re-Terraforming). Dafür bringt Blue Horizon Technologien, Verfahren und anderes Know-how aus dem Bereich Life Sciences zusammen.

OHB Venture Capital

Die Corporate Venture Capital Gesellschaft der OHB SE investiert weltweit in Start-Ups und Firmen, die innovative Ideen und Technologien für Services oder Anwendungen in der Raumfahrt anbieten. Besonders interessiert ist OHB dabei an Innovationen in Bereichen, in denen die OHB Gruppe sich bereits engagiert: Satelliten-Technik, Raketen-Technik und Habitate für die Exploration unseres Planetensystems.

An einigen Unternehmen ist OHB bereits beteiligt, so beispielsweise am oben erwähnten Unternehmen Blue Horizon.

 

Selten hat es in der Geschichte der Raumfahrt so spannende Zeiten gegeben wie jetzt. Start-ups mit ernsthaften Plänen zur kommerziellen Eroberung des Weltraums schießen förmlich aus dem Boden. Uns kann das nur recht sein. Als „Start-up mit Lebenserfahrung“ können wir den etablierten Markt bedienen und auf neue Herausforderungen schnell und agil reagieren.

Marco R. Fuchs, Vorstandsvorsitzender der OHB SE

 

Viele Experten sprechen im Kontext von New Space von einer Trendwende in der Raumfahrt. Klar ist: Startups mit ernsthaften Plänen zur kommerziellen Eroberung des Weltraums entstehen in großer Zahl. Und immer neue Ideen zur Verbesserung von Mobilität und Konnektivität fordern auch etablierte Geschäftsmodelle heraus.

New Space-Unternehmer: Musk, Bezos, Branson – drei Milliardäre und ein teures Hobby

Elon Musk

Kein anderer Milliardär wird wie Elon Musk mit kommerzieller Raumfahrt verbunden. Seine Raumkapsel „Dragon“ versorgt die ISS. Anfang 2018 startete sein Raumfahrtunternehmen „SpaceX“ zudem die drittstärkste jemals gebaute Trägerrakete. Die sogenannte „Falcon Heavy“ umflog die Sonne und kreuzte dabei den Marsorbit. Musk hat große Pläne: 2018 will er zwei Touristen um den Mond schicken, 2024 auf dem Mars eine Basisstation bauen.

Jeff Bezos

Begonnen hat den privaten Weltlauf zu den Sternen eigentlich Jeff Bezos. Der Amazon.com-Gründer schaffte mit seinem Unternehmen „Blue Origin“ im Jahre 2015 als erster eine Pionierleistung: eine wiederverwendbare Trägerrakete. Diese erreichte zwar nur den Suborbit, buchbare Orbit-Flüge für Touristen sind aber geplant.

Richard Branson

Schon heute Lust auf einen suborbitalen Raumflug? Das Unternehmen „Virgin Galactic“ macht es möglich. Das Abenteuer ist online buchbar für eine sechsstellige Summe. Sein „SpaceShipTwo“ kann bis zu acht Personen in eine Flughöhe von 140 Kilometern transportieren.