Auf Senkrechtstart programmiert

Jung und Führungskraft? Na klar! Christian Westendorf startete vor rund zehn Jahren als Werkstudent und leitet heute ein Softwareteam  

 

OHB Redaktionsteam
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von OHB Redaktionsteam, OHB SE

Karrierewege bei OHB verlaufen mitunter steil. Der beste Beweis dieser These ist Christian Westendorf, der in rund zehn Jahren vom Werkstudenten zum Abteilungsleiter für den Bereich Software die Karriereleiter emporgeklettert ist. Heute leitet der 35-Jährige ein Team von rund 40 Kolleginnen und Kollegen. Im Interview erzählt Westendorf, warum es seine wichtigste Aufgabe ist, einen guten Zusammenhalt im Team zu fördern und welche Eigenschaft auf dieser Sprosse der Leiter besonders bedeutsam ist.

Rasante Starts in die Senkrechte sind in der Raumfahrtbranche obligatorisch, dieses Bild passt aber auch zu dir. Hättest du dir im Jahr 2008 träumen lassen, wie sich deine Berufslaufbahn entwickeln wird?

Christian Westendorf: Ich hätte nie gedacht, dass ich bei OHB so jung in diese Verantwortung gelangen kann. Mir war aber schon in der Zeit als Werkstudent bei der OHB-Tochter Teledata klar, dass ich einmal bei der OHB System AG arbeiten möchte.

Was war der Grund für diese Klarheit?

Space ist natürlich eine aufregende Branche, aber ich mochte auch den Charakter des Familienunternehmens. Damals war OHB noch relativ klein. An der Entwicklung von Satelliten beteiligt zu sein, übte für mich aber definitiv die größte Faszination aus. Und als OHB dann 2010 den Auftrag für das Navigationssystem Galileo gewann, war der Bedarf an Softwarespezialisten plötzlich groß. Mein Glück.

Mit Galileo hat also alles so richtig begonnen?

So sieht’s aus. In der Zwischenzeit hatte ich mein Studium der Technischen Informatik an der London South Bank University abgeschlossen. Somit wurde ich gleich als Software Engineer eingestellt. Für Galileo habe ich dann unter anderem das Memory Management, also die Speicherverwaltung mitentwickelt. Später ging es dann an die Software für das Thermalsubsystem. Beim ersten Galileo Launch war ich im Raumflugkontrollzentrum ESOC in Darmstadt dabei.

Mal zwischendurch gefragt: Was ist das Memory Management?

Dazu gehört das Bereitstellen der gesammelten und berechneten Daten sowie der Safe Guard Memory, ein Speicher, der dazu ausgelegt ist, dass alle Daten auch im unwahrscheinlichen Falle eines Stromausfalls gesichert sind und weiter zur Verfügung stehen.

Verstanden. Bist du bei Galileo geblieben?

Ich habe mich immer darum bemüht, Neues zu lernen. So habe ich unter anderem für das Projekt SAVOIR (Space AVionics Open Interface aRchitecture) der ESA gearbeitet und dort das Projektmanagement gelernt. Später habe ich die Position des Lead Software Engineer Development bei SARah begonnen. Ich hatte schon immer Lust darauf, mehr Verantwortung zu übernehmen und in die Führung zu gehen. Da musste mehr her.

Woran machst du diese Begeisterung für Führung aus?

Ich habe als Projektmanager gemerkt, dass es mir Spaß macht, Menschen gezielt nach ihren Stärken einzusetzen und somit auf dem Weg zu ihrer besten Leistung zu begleiten. Also fragte ich bei SARah an, ob ich als Projektmanager unterstützen kann.

Und das hat geklappt?

Das hat sogar sehr gut geklappt. Ich merkte, dass in der Führung meine Stärke liegt und ich hatte Glück, dass Menschen da waren, die mich gefördert haben. Und so habe ich mich vom Teamleiter Flight Software Development System zum Abteilungsleiter für das SCSW (Satellite Control Software) Engineering entwickelt.

Was macht eine gute Führungskraft aus?

Empathie. Es geht darum, zu erkennen, wo die Stärken der Leute liegen. Du sorgst dafür, dass alle gut im Projekt klar kommen. Mir ist der Zusammenhalt untereinander sehr wichtig. Wir sind hier sehr international und es treffen verschiedene Kulturen aufeinander. Daher brauchst du als Führungskraft die Empathie, alle Bedürfnisse wahrzunehmen und zu einem Teamspirit zu formen. Außerdem sehr wichtig: Respekt, also das Kommunizieren und Handeln auf Augenhöhe.

Gibt es in der Art der Führung einen Unterschied zwischen Team- und Abteilungsleitung?

Als Teamleiter bist du wie ein großer Bruder, als Abteilungsleiter eher in einer väterlichen Rolle und stehst im engeren Kontakt zum Vorstand. Eine offene Tür für alle Belange gab es bei mir aber schon immer. Und ich bin offen für Feedback. Ein ehrliches Feedback muss in beide Richtungen drin sein.

 

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